20 August 2017

Wildkräuter - Fragen finden Antworten

Geschrieben von Stephan Engelhardt, Veröffentlicht in Wildkräuter, Ausbildung

Beantwortet von Stephan Engelhardt

Fragen an die NaturSchule Stephan Engelhardt

Während Wildkräuterwanderungen, Seminaren und Vorträgen werden von den Teilnehmern viele Fragen gestellt. Nicht alle haben unmittelbar etwas mit dem aktuellen Thema zu tun, sondern erwachsen aus der gänzlich neuen Betrachtungsweise der Natur und der Dinge die uns umgeben. Es können Ängste entstehen, da bisherige Lebensgrenzen überschritten werden und ein neues „Land“ betreten wird. Ein Land, in dem Wildkräuter nicht mehr „Unkräuter“ sind und die tiefe Verbindung zur Natur wieder wahrgenommen wird.

Die Veranstaltungen der NaturSchule behandeln immer einen breites Themenspektrum, da alles miteinander in jahresausbildungjk03 01Verbindung steht. Wenn man sich immer mehr Wissen zu Wildkräutern, Ernährung und anderen Lebensfragen aneignet, daraus jedoch keine Handlungen und keine eigenen Erfahrungen entstehen, ist der Nutzen gering.

  • Wieviel Wildkräuter kann ich täglich essen?

Ich kann mich gut daran erinnern, dass diese Frage von uns, während meiner eigenen Wildkräuterausbildung, oft gestellt wurde. Unser Lehrer hat uns beispielhaft in folgender Form geantwortet: „Vogelmiere zwölf am Tag, Löwenzahn sechs Blätter, Wicke sieben, Brennnessel vier große Spitzen“ usw. Wir haben alles fleißig aufgeschrieben und waren zufrieden.
Menschen haben unterschiedliche körperliche und geistige Voraussetzungen und an keinem Tag fühlen wir uns wie am Tag zuvor. Wie kann es da eine bestimmte Verzehrempfehlung geben, die zusätzlich für jeden Menschen gelten soll? Wir haben nicht gefragt, wie viele Äpfel, Kirschen oder Selleriestangen darf ich am Tag essen, obwohl diese Fragen ebenso berechtigt gewesen wären. An einem Tag essen wir z.B. zehn große Brennnesselspitzen und am nächsten Tag sind zwei genug. Wir werden durch eine gesunde Lebensweise und dem Verzehr von lebendiger und vitalstoffreicher Nahrung immer empfindsamer für alles, was von außen auf uns wirkt und was uns unser Körper mitteilt. Die Antwort auf die Frage „wieviel kann ich von etwas essen“ kommt dann wie von selbst.
Am Beginn einer Ernährungsumstellung, bzw. dem Hinzunehmen von Wildkräutern zur täglichen Nahrung, sind ein Vorangehen mit kleinen Schritten und das Hinzunehmen der Wildkräuter zunächst in kleiner Menge empfehlenswert. Eine Handvoll Wildkräuter am Tag, hinzugefügt zum gewohnten Essen (z.B. untergemischt in den Salat), ist ein gutes Vorgehen sich der neuen Nahrung langsam anzunähern. Ihr Körper und Geist werden dankbar dafür sein, dass Sie nicht versuchen an einem Tag alles auf einmal umzustellen. Sie werden bemerken, dass sich die Wildkräutermenge wie von alleine ändert, so wie es gut für Sie ist.

  • Zu welcher Tageszeit pflückt man die Wildkräuter am besten?

Die Antwort ist einfach, dann wenn Sie Zeit dafür haben und Sie in Ruhe in der Natur sein können. Alles andere führt dazu, dass Sie beim Wildkräuterpflücken mit Ihren Gedanken überall sind, nur nicht im Jetzt und bei den Pflanzen. Widme dem was Du jetzt tust Deine volle Aufmerksamkeit, und das Ergebnis Deines Tuns ist gut. Mit Stress in die Natur und zu den Wildkräutern zu gehen, nur weil Sie den vermeintlich besten Zeitpunkt abgewartet haben, wirkt negativ auf die Wildkräuter. Möchten Sie etwas essen, das Stress erfahren hat? Einfach ausgedrückt ist der beste Zeitraum zum Pflücken der, wenn die Pflanzensäfte nach oben gestiegen sind und die Pflanze „wach“ ist. Das ist nach Sonnenaufgang, wenn das Licht und Sonne einige Stunden da waren. Ist es Ihnen nicht möglich in diesem Zeitraum zu pflücken, dann gehen Sie mit guten Gedanken in die Natur, wenn Zeit dafür ist.

  • Wann gräbt man Wurzeln?

Wurzel grabe ich sehr selten aus. Sie sind für die tägliche Ernährung nicht nötig. Mit der Wurzel nimmt man dem Wildkraut sehr viel und es wird, je nach Pflanze, nicht mehr weiterwachsen und sich vermehren. Wildkräuter die tief wachsenden Wurzeln haben, wie z.B. der Löwenzahn oder der Beinwell mit ihren Pfahlwurzeln, werden wieder neue Triebe bilden, wenn man Teile der Wurzel im Boden lässt. Um es der Pflanze so einfach wie möglich zu machen, sollte die verbleibende Wurzel nach dem Graben wieder mit Erde bedeckt werden.
Wurzeln werden z.B. eingesetzt, um eine bestimmte Heilwirkung zu erzielen. Der beste Zeitpunkt zum Wurzelgraben ist, wenn möglichst viel Kraft und die Pflanzensäfte in ihr sind. Das ist vor Sonnenaufgang der Fall. Beachtet man zusätzlich die Wirkung des Mondes auf uns und alle Wesen, gräbt man die Wurzel an einem Neumondmorgen.

  • Ich kenne die Wildkräuter noch nicht und habe Angst etwas Giftiges zu essen

Häufig haben Teilnehmer an Wildkräuterwanderungen anderer Veranstalter teilgenommen und haben viele Wildkräuter gesehen und von deren Wirkung gehört. Das hat sicherlich viel Wissen gebracht. Wenn ich frage, ob die Wildkräuter danach auch zur Nahrung hinzugenommen wurden, wird das meistens verneint. Was nutzt da das viele Wissen? Der Gedanke, „ich muss erst viele Wildkräuter kennen, um damit anzufangen“ führt vermutlich dazu, es nie zu beginnen.jahresausbildungjk03 02
Ich war einmal zufällig als Zuhörer bei einer Kräuterführung, in einem öffentlichen Kräutergarten. Die Pflanzen standen, nach Heilwirkung geordnet, beieinander. In der Natur würden sie so nicht zusammen wachsen. Es wurde viel von ihren Heilwirkungen und gelegentlich von der Anwendungsweise berichtet. Am Ende der Führung wurde wegen zu vielen Gefahren davor gewarnt, die Kräuter aus der Natur zu nehmen oder gar direkt zu essen. Man solle besser Kräuter-Produkte in Apotheken oder Reformhäusern kaufen. Solche Kräuterführungen verstärken die Trennung zur Natur und schüren Ängste.
Wie können wir der Angst vor Giftpflanzen begegnen? Wie so oft liegt die Lösung in der Einfachheit. Bestimmt kennt jeder den Löwenzahn, die Brennnessel, das Gänseblümchen und bestimmt noch weiter Wildkräuter. Wenn Sie z.B. den Löwenzahn kennen, dann pflücken Sie nur den Löwenzahn und integrieren sie ihn in Ihre Nahrung. Dazu müssen Sie keine weiteren Wildkräuter kennen und auch keine Giftpflanzen. Ihre Nahrung wird durch den Löwenzahn, wie durch jedes anderes Wildkraut, wesentlich aufgewertet. Löwenzahnblätter haben unterschiedliche Blattstrukturen und Farben. Wenn sie deswegen beim Pflücken unsicher werden, dann nehmen sie nur den Löwenzahn, den Sie genau kennen und lassen Sie die anderen unberührt. Sie können heute mit dem Pflücken der Wildkräuter beginnen und es gibt keine Gründe mehr, es nicht zu tun. Haben Sie den ersten Schritt getan, werden sehr schnell viele weitere Wildkräuter auf Ihren Essteller sein. In meinem ersten Jahr mit den Wildkräutern, habe ich „nur“ vier verschiedene Kräuter unter meinen Salat gemischt und habe ihre wunderbare Wirkung erfahren. Beginnen Sie einfach jetzt.

  • Wie ist das mit dem Fuchsbandwurm?

Unterschieden werden der Fuchsbandwurm (Echinokokkus multilocularis) und der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus). Beide können die Wurmerkrankung Echinokokkose verursachen. Der Hundebandwurm tritt weltweit auf, der Fuchsbandwurm nur in bestimmten Regionen, zu denen Mitteleuropa und Südeuropa gehören. Die Echinokokkose ist eine meldepflichtige Krankheit und wird in Deutschland das das Robert Koch Institut gemeldet. Am Universitätsklinikum Ulm, Sektion Infektiologie und Klinische Immunologie, geleitet von Prof. Dr. Peter Kern, dokumentiert man alle gesicherten Fälle von Erkrankungen des Menschen durch den Fuchsbandwurm (Echinokokkus multilocularis), der die alveoläre Echinokokkose verursachen kann. Hier befindet sich der deutsche Standort des Europäischen Echinokokkose-Registers. Pro Jahr werden ca. 20-25 neue Erkrankungsfälle der alveolären Echinokokkose gemeldet, vorwiegend aus dem süddeutschen Raum. Es ist eine eher seltene Krankheit.

jahresausbildungjk03 03In der Vergangenheit wurde davor gewarnt, Beeren und andere Früchte direkt aus der Natur zu essen, da sie als Überträger der Krankheit galten. Das betrifft dann natürlich auch das Essen von Wildkräutern und letztendlich alles, was aus der Natur kommt. Diese Informationen führen dazu, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm sehr präsent ist. Es ist eine Angst, die uns von der Natur trennt. Die Informationen der Medien werden selten hinterfragt und als Wahrheit angenommen.

Prof Dr. Kern sagt dazu:
„Es gibt keinen Beleg dafür, dass beim Verzehr von Waldbeeren ein Risiko besteht, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren“.
Als möglicher Übertragungsweg gilt der innige Kontakt mit Hunden und Katzen, die die Würmer und deren Eier in sich tragen können. In einem online Artikel des Tagesspiegels, der schon 2007 erschienen ist, wird das Thema neu beleuchtet (Auszug):

Selbst medizinische Wörterbücher weisen immer nur auf Hunde, nie auf Beeren als Infektionsquelle hin. Warum hält sich die Angst vor dem Ungeheuer vom Sommerloch, dem weniger als drei Millimeter kleinen Fuchsbandwurm, so hartnäckig? "Die Warnungen sind schnell raus, die Entwarnungen kommen nicht recht an", sagte Angelika Michel-Drees vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kürzlich bei einer Tagung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Dessen Präsident Andreas Hensel meinte selbstkritisch: "Wir haben eine Risiko-Industrie, und daran sind nicht nur die Medien, sondern auch die Verbraucherzentralen und die Wissenschaft beteiligt." Die Furcht vor dem Fuchsbandwurm war offenbar ein besonders erfolgreiches Produkt dieser "Industrie".

Der komplette Artikel ist hier abrufbar:
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/beerensammeln-ohne-furcht/994918.html

Es gibt ca. 20-25 neue Erkrankungsfälle pro Jahr in Deutschland. Glücklicherweise sind nur wenige Menschen davon betroffen, und doch wird die Frage nach dem Fuchsbandwurm nahezu bei jeder NaturSchule-Veranstaltung gestellt. Seltener wird nach den sehr häufigen vorkommenden Krankheitsbildern gefragt. Offensichtlich sind sie sind zur Normalität geworden. An den Folgen von Herzkreislauferkrankungen sterben pro Jahr in Deutschland, laut einer Statistik des statistischen Bundesamtes von 2014, 338056 Menschen, an Krebserkrankungen 230771. Das sind jeden Tag 926 bzw. 632 Todesfälle.

Ich vergleiche Krankheiten und deren Folgen nicht gerne und die Betroffenen und die Angehörigen erleben eine sehr schwere Zeit. Der Fuchsbandwurm und unsere Ängste sollten nicht dazu führen, uns immer weiter von der Natur zu trennen, denn diese unnatürliche Trennung macht krank. Eine Änderung unserer Lebens- und Ernährungsweise birgt eine große Chance und kann zu einen gesundes und lebensfreudiges Dasein führen. Dazu gehört die Wahrnehmung als Teil der Natur tief mit ihr in Verbindung zu sein, das Sehen und Fühlen ihrer Wunder und das achtsame und dankbare Annehmen ihrer Gaben. Die vielen wundervollen Wildkräuter und Früchte gehören dazu.

Während den Veranstaltungen der NaturSchule können Sie erfahren, wie wirkungsvoll eine vegane Ernährung mit Wildkräutern und Veränderungen in der Lebensweise sind. 

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