26 Juni 2017

Ein Tag in der NaturSchule

Geschrieben von Stephan Engelhardt, Veröffentlicht in Ausbildung

Unterwegs mit Stephan Engelhardt

Die Teilnehmer am Tagesseminar „Wildkräuter – Vegane Ernährung – Heilsame Lebensweise“ bringen Erwartungen und Gefühle mit. Während der Vorstellungsrunde wird deutlich, dass fast jeder körperlich Leiden hat und den Weg zur NaturSchule gefunden hat, um Impulse für eine bessere Ernährung und Lebensweise zu bekommen. Stephan Engelhardt, der Inhaber der NaturSchule, berichtet von seinem Heilungsweg und seiner Lebensumstellung, die ihm die Gesundheit zurückgebracht haben:

In der Küche werden in froher Stimmung Äpfel geschnitten, gewässerte Gewürze und Nüssen gewaschen, Ingwer gerieben und Brennnessel mit Kräutermühlen zerkleinert. Davor wurden die einzelnen Zutaten und die Art der Zubereitung besprochen. Die vielen aufkommenden Fragen werden beantwortet. Die Teilnehmer lassen einen kraftvollen und leckeren Apfel-Brennnesselsalat entstehen, der für viele der erste Kontakt zu einem Wildkraut ist. Schon das Anfassen der Brennnessel ist etwas gänzlich neues, wurde sie doch vorher als brennendes, unliebsames Unkraut angesehen. Die Zutaten, außer die gewässerten Gewürze und Nüsse, werden in eine große Schüssel gegeben und mit den Händen gemischt. Der frische Duft der Äpfel und der Brennnesseln, beides am Vorabend gepflückt, erfüllt die Küche.

Rezept Apfelbrennnesselsalat
etwa eine Portion

Zutaten:
3 Äpfel
6 Brennnesselspitzen
5g Ingwer
40g Nüsse (z.B. Haselnuss, Walnuss, Mandel)
3g Gewürzsamen (z.B. Koriander, Kardamom, Fenchel, Anis, Kümmel)

Die in Stücke geschnittenen Äpfel in eine Schüssel geben und den geriebenen Ingwer und die Brennnesselspitzen, die mit einer Kräutermühle zerkleinert wurden, dazugeben und vermischen. Die ca. 12 Std. in Wasser eingelegten Nüssen und Gewürzsamen in einen Küchensieb gut abwaschen. Beides kann mit dem Salat gemischt werden, oder getrennt dazu gegessen werden.

brennnessel fruehstueck

Essen ist keine Nebensache

Wir erlauben den Kräften der Natur in uns zu wirken, wenn wir Nahrung zu uns nehmen.

Unsere Nahrungsmittel werden dies tun, gleichgültig welche Aufmerksamkeit wir ihnen widmen. Wenn wir schweigend und achtsam essen, haben wir die Chance zu bemerken, was die Nahrung in uns bewirkt.

In unserer Gesellschaft wird das gemeinsame Essen, Zuhause oder in einem Restaurant, mit Kommunikation untereinander verbunden. Dabei wird das Essen schnell zur Nebensache und das sollte es nicht sein. Wir essen, um das was unser Körper und Geist benötigen, zu erhalten. Ist da nicht ratsam darauf zu achten, was die Nahrung mit uns macht und das mit jedem Bissen?

Der Gong der Klangschale ertönt und die Seminarteilnehmer essen schweigend das Essen, das vorher gemeinsam zubereitet wurde. Wir sind es gewöhnt während des Essens viele andere Dinge zu tun und das Essen zu vergessen. Die Augen einiger Seminarteilnehmer sind unruhig. Schweigend in einer Gesellschaft zu essen ist für viele Menschen sehr ungewohnt und kann Beklemmungen hervorrufen. Man hört seine eigenen Essgeräusche und die der Sitznachbarn. Geräusche die sonst im Gerede untergehen, dringen nun verstärkt in unsere Ohren. Die anfängliche innere Unruhe beim schweigenden Essen verfliegt meistens sehr schnell und die Atmosphäre wird entspannt. Einige Teilnehmer schließen die Augen und sind so noch intensiver im Jetzt. Am Ende des Tages während der Feedbackrunde lobte eine Teilnehmerin, in deren Augen ich viel Stress beim Essen im Schweigen gesehen habe, den Tag voller Freude und empfand das stille Essen als ein Highlight. Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie ganz beim Essen und nicht mit den Kindern oder anderen Dingen beschäftigt. Nach zehn Minuten ertönt der Gong der Klangschale erneut und hebt das Schweigen damit auf. Erstaunlicherweise bleibt es zunächst beim Essen in der Stille. Nur langsam wird das Schweigen mit Fragen aufgelöst.

Stress durch schlechte Nahrung

Die Apfel-Brennnessel Mahlzeit ist zusammen mit den gewässerten Gewürzsamen und Nüssen eine sehr lebendige, kraftvolle und sättigende Nahrung. Es ist ein Beispiel für eine Nahrung, auf die der Körper sich freut und ihn in die Lage versetzt, sich zu reinigen und zu heilen. Das was wir essen spielt für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Durch schlechte Nahrung halten wir unseren Körper permanent in einem Stresszustand, der sich durch körperliche, geistige und seelische Leiden ausdrückt. Nicht nur die Nahrung wirkt auf uns ein, alles was wir uns zuführen wirkt im positiven oder negativen Sinne. Unsere Nahrung, die Informationen die wir aufnehmen, das Umfeld in dem wir uns aufhalten, die Menschen mit denen wir uns umgeben, unsere körperlichen Aktivitäten, unsere Gedanken und Gefühle.

Vor dem Essen ist es gut, seinen Körper mit einigen Asanas (Yogaübungen) auf die Nahrungsaufnahme vorzubereiten. Die kurzen Übungen wirken intensiv auf die inneren Organe und sind sehr belebend. Das sind beste Voraussetzungen, um die Nahrung optimal aufzunehmen und zu verdauen. Mit einem Lächeln machen die Teilnehmer die Übungen, jeder nach seinen Möglichkeiten, und haben sich das Essen nun redlich verdient. Dann geht es raus in die Natur, zu den vielen Wildkräutern.

"Was ist das für eine Pflanze, wieviel darf man täglich von dieser Pflanze essen, wie werden die Wildkräuter frisch und lebendig gehalten, welche Heilwirkung haben Wildkräuter, wie ist das mit dem Fuchsbandwurm, wie erkenne ich giftige Pflanzen, welche Utensilien brauche ich zum Wildkräuter sammeln, müssen die Kräuter gewaschen werden, welche Wildkräuter kann man im Winter finden, wo werden Wildkräuter am besten gesammelt"?

Alle Fragen werden beantwortet und mit dem Sammeln der Wildkräuter, nehmen die Teilnehmer den Kontakt zur Natur immer besser auf. Die Kräuterkörbe füllen sich mit vielen unterschiedlichen Wildkräutern und es wird eifrig notiert und fotografiert. Das "Unkraut" wird zum leckeren Salat und einige Teilnehmer essen die Wildkräuter mit leuchtenden Augen direkt von der Wiese. Das mag am Anfang ungewohnt sein. Die meiste Zeit in unserer Menschheitsgeschichte, haben wir die Nahrung direkt aus der Natur geholt. Wir haben erst sehr kurz die Möglichkeit, unsere Nahrungsmittel einzukaufen. Es ist normal geworden, die Folie von einer Bio-Gurke herunterzureißen und sie zu essen, ohne zu hinterfragen, woher die sie kommt, wie sie angebaut wurde und wie die Folienverpackung auf die Gurke einwirkt. Wir haben die Verantwortung für unsere Nahrungsmittel an die Produzenten abgeben und blenden die Folgen unseres Tuns aus. Beim Sammeln der Wildkräuter wählen wir unsere Nahrung selber aus und übernehmen die Verantwortung für unser Essen. Wir haben die Chance uns an unserer Wurzeln zu erinnern.

Damit der Kontakt zur Natur und das Sammeln der Nahrung für die Erde und uns in Harmonie verlaufen, ist es wichtig achtsam mit sich und seiner Umgebung umzugehen.

Achtsames Sammeln

  • Wir sind immer in Verbindung mit der Erde und unserer Umgebung. Wir stehen auf der Erde, wir atmen ein und aus, wir spüren die Sonne, die Wärme, die Kälte, den Wind, wir nehmen Düfte wahr, wir sehen die Schönheit der Natur. Nehmt Eure Verbundenheit zur Erde war.
  • Wir sind von Nahrung umgeben und stehen vielleicht gerade auf unserem Salat. Mit diesem Bewusstsein werden wir der Natur anders begegnen.
  • Pflückt nur die Pflanzen, die Ihr genau kennt. Das Bestimmen mit Hilfe von Pflanzenbüchern, ist nicht einfach. Das Erkennen und Bestimmen der Wildkräuter mit Euren Sinnen, ist der bessere Weg. Wie sehen ihre Blätter und Blüten aus, in welcher Umgebung wächst sie, welchen Geruch hat die Pflanze?
    Zum Kennenlernen der Wildkräuter ist es am besten, häufig mit jemanden in der Natur unterwegs zu sein, der die Wildkräuter einige Jahre gut kennt.
  • Pflückt die Wildkräuter so, dass sie und ihre Umgebung danach schöner aussehen, als vorher. Das wird uns nicht gelingen, da die Natur alles in bester Weise hervorgebracht hat. Mit diesem Gedanken zu Pflücken führt dazu, dass wir die Natur so achtsam wie möglich behandeln.
  • Sammelt nur so viel, wie Ihr tatsächlich benötigt. Auch morgen bietet uns die Natur ihre Nahrung in großer Fülle an.
  • Sammelt die Teile der Wildkräuter und die Früchte, die Ihr als schön und kraftvoll empfindet. Früchte werden z.B. vom Apfelbaum nur dann ganz leicht abgegeben, wenn sie reif sind.
  • Nach dem Pflücken habt Ihr die Verantwortung für die Pflanzen übernommen. Damit sie so lebendig bleiben und sogar weiter gedeihen, achtet auf folgendes:

    • Haltet die Pflanze möglichst kurz in den Händen.
    • Legt die Pflanze in einen Korb aus Naturmaterialien und flachen Boden, auf ein feuchtes Tuch.
    • Bedeckt den Korb mit einem weiteren feuchten Tuch, damit kein Sonnenlicht auf die Pflanzen scheint. Durch die Trocknung des Tuches entsteht zusätzlich ein kühlender Effekt.
    • Besprüht die Pflanzen mit Wasser und haltet sie so feucht.
    • Lagert die Wildkräuter Zuhause so wie vorher im Kräuterkorb und legt nur wenige übereinander. Dazu eignet sich z.B. eine Gemüse-Holzkiste, die Bioläden gerne abgeben.
    • Stellt die Kräuterkiste an einen schattigen und möglichst kühlen Ort (Terrasse, Balkon, Schlafzimmer etc.).
    • Haltet die Tücher und die Wildkräuter feucht. Besprüht sie mindestens einmal morgens und abends mit dem Wassersprüher.
    • Seit dankbar für die kraftvollen Wildkräuter in Eurer Kräuterkiste.

  • Sammelt Eure Nahrung nur, wenn Ihr gute Gedanken dabei habt und Euch an Eurem Tun erfreut.
  • Seit dankbar für die Fülle, die Mutter Erde uns schenkt. Bedankt Euch bei den Wildkräutern und Früchten, dass sie Euch ihre Kraft geben und für Euch da sind.

Wenn wir der Natur und den Pflanzen so begegnen, wird die Pflanzenfülle in unserer Umgebung immer größer und schöner. Wir werden immer mehr Wildkräuter in unserer Umgebung wahrnehmen.

naturschule tag02

Zurück in der NaturSchule

Bevor wir mit vollen Kräuterkörben zurück zur NaturSchule gehen, haben wir uns auf einer Wiese etwas ausgeruht. Die vielen Informationen und neuen Erfahrungen werden mit einem kurzen Nickerchen oder dem entspannten Sitzen an einem Baumstamm verarbeitet. In der NaturSchule wartet schon der duftende Kräutertee und wenn es draußen kalt ist, gibt das flackernde Feuer des Ofens die nötige Wärme.

Die Wildkräuter werden aus den Körben genommen und für das Essen am Nachmittag von den Teilnehmern in einen Weidenkorb auf ein feuchtes Tuch gelegt. Der Kräuterkorb wird mit einem weiteren feuchten Tuch abgedeckt. So gelagert und feucht gehalten, bleiben die Wildkräuter viele Tage frisch und lebendig. Geschlossene Blütenknospen werden sich nach einigen Tagen öffnen und den Kräuterkorb zu einem leuchtenden Blütenmeer machen. Andere Wildkräuter drücken von unten gegen das Tuch, denn sie wissen wo das Licht ist und recken sich danach. Das sind die Wunder der Natur die wir empfangen können, wenn wir den Pflanzen achtsam gegenübertreten. Solch eine Nahrung ist ein wahres Lebensmittel und wird unserem Körper und Geist Gutes tun.

Je nach Jahreszeit finden wir sehr viele unterschiedliche Wildkräuter. Während eines "Kräuterfrau / Kräutermann"- Ausbildungstages haben wir im März fünfundfünfzig unterschiedliche Wildkräuter gesammelt. Das ist für einen Tag sehr viel und wenn man gerade beginnt die Wildkräuter in die tägliche Nahrung zu integrieren, genügt es mit einigen wenigen anzufangen. Hauptsache man kommt ins Tun und startet mit den Wildkräutern, die einem in Erinnerung geblieben sind und geschmeckt haben.

Achtsames Essen macht satt

Warum funktioniert die Ernährung mit Wildkräutern so gut und gibt unserem Körper Kraft und Gesundheit? Einige Teilnehmer sind verwundert, dass sie von dem Essen am Vormittag immer noch gut gesättigt sind und das, obwohl es nach viel weniger als sonst gewohnt aussah. Ein Grund dafür ist das achtsame Essen und intensivere Kauen. Wenn wir so essen, verwerten wir unsere Nahrung spürbar besser und benötigen weniger. Vergleichen wir die Inhaltsstoffe der Wildkräutern mit z.B. Kulturgemüsen, sehen wir das Wildkräuter wesentlich inhaltsstoffreicher sind. Unsere Nahrung besteht jedoch nicht nur aus der Summe ihrer Inhaltsstoffe, von denen wir die meisten sowieso nicht kennen. Sie enthält Lebenskraft, dass Licht der Sonne und die Einflüsse der Menschen, die mit ihnen zu tun hatten. Das mag zunächst nicht glaubhaft zu sein. In unserer materialistisch eingestellten Welt glauben wir vor allem das, was messbar und reproduzierbar ist. Wir Menschen tragen hochsensible Antennen in uns die immer feiner werden, wenn wir gesunde und lebendige Nahrung zu uns nehmen und eine heilsame Lebensweise führen. Wir können immer besser erkennen und spüren, was gut und was schlecht für uns ist und unserer Intuition Vertrauen schenken. Lebendige und kraftvolle Nahrung erhalten wir, wenn wir sie so natürlich wie möglich lassen. Rohe und frische Nahrung, wie unser Apfel-Brennnesselsalat, geben unserem Körper die Möglichkeit in bester Weise für uns da zu sein.

Die Zeit vergeht schnell beim Behandeln der vielen Ernährung- und Gesundheitsthemen. Skripte werden verteilt und eine Liste mit den heute gesammelten Wildkräutern entsteht, indem jeder ein Wildkraut nennt. Mit den Wildkräutern, die in Erinnerung geblieben sind Zuhause zu beginnen und sie in die tägliche Nahrung zu integrieren, ist sehr empfehlenswert.

Die gesammelten Wildkräuter, heimisches Obst, selbst hergestellte Kräuteröl-Auszüge und Rohkost Muse aus gekeimten Samen bzw. Nüssen und gekochte Nahrung, wie z.B. Hirse oder Süßkartoffeln stehen bereit. Jeder entscheidet selbst, was er essen möchte. Für den einen ist es der erste komplette Tag mit veganer Rohkost, für den anderen ist das warme Essen wichtig. Die wunderbaren Wildkräuter werden von allen genossen.

Unser Tag ist viel zu schnell zu Ende gegangen. Unkräuter sind zur wundervollen Nahrung geworden. "Jetzt weiß ich endlich was ich mit meinem verwilderten Garten machen kann, einfach alles Essen", sind die lachenden Worte eines Teilnehmers. Es war ein wundervoller Tag und ich bin dankbar und tief berührt, zum Abschied in strahlende Augen schauen zu dürfen.

Die aktuellen Seminare finden Sie HIER.

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