08 November 2017

Ein Loblied auf die Einfachheit

Geschrieben von Stephan Engelhardt, Veröffentlicht in Wildkräuter, Ernährung, Gedanken

Als ich mich vor 16 Jahren entschied, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, hatte ich keine Vorstellung was das bedeutet. Das Übernehmen der Verantwortung hat mein Leben von Grund auf verändert. Ich konnte mich von einer aus schulmedizinischer Sicht unheilbaren Krankheit heilen und die Dinge im Außen veränderten sich an vielen Stellen grundlegend. Vieles was im Leben stocke, kam wieder in Fluss. Ich sah mein Dasein mit neuen Augen. Das war nicht immer angenehm und wurde von inneren Kämpfen und Ängsten begleitet. Mit der Zeit wurden die Spannungen im Körper und Kopf weniger und wenn sie da sind, kann ich sie immer besser betrachten und benennen.

Wir möchten gerne Lösungen für unsere Probleme, die uns am besten schnell und leicht geschenkt werden. Wir suchen nach Rezepten, Tipps und Tricks, um Unannehmlichkeiten loszuwerden. Dabei gehen wir meistens davon aus, dass das Unangenehme von außen kommt und wir deshalb im Außen nach Problemlösungen suchen müssen. Es gibt Menschen die viele Seminare aufsuchen, sich den neusten oder alt bewährten alternativen Behandlungen unterziehen, zu spirituellen Gruppen gehen oder ihnen zeitweise angehören, Entgiftungskuren machen, ihrer Ernährung nach einer Ernährungsberatung verbessern und auch nach Jahren ihrer Suche nicht entscheidend zufriedener und glücklicher geworden sind. Jede aufgesuchte Stelle bietet im besten Fall äußerst nützliche Informationen und kann großartige Hilfe leisten Ganz besonders wichtig ist jedoch die Zeit die danach kommt, wenn man wieder mit sich selbst alleine ist. Gerade am Anfang einer Lebens- oder Ernährungsumstellung können die äußeren Impulse Entscheidendes bewirken.

Heilung von Rheuma
Ich habe mich durch eine vegane Ernährung und eine selbstverantwortliche heilsame Lebensweise von einer rheumatischen Erkrankung heilen können. Das war der erste große Schritt, der Beginn eines neuen Lebensweges. Dieses Erfolgserlebnis birgt die große Gefahr in sich anzunehmen, dass es das jetzt war und alles erreicht ist. Der Fluss des Lebens kann so wieder ins Stocken geraten und man kommt im ungünstigsten Fall wieder dort an, wo man vorher schon war. Man ist im Kreis gegangen. Alles ist miteinander in Verbindung. Wenn wir uns zu sehr auf ein bestimmtes Lebensthema fokussieren und das ist häufig das Ernährungsthema, geraten andere Dinge ins Hintertreffen und das wird seine Wirkung haben, vielleicht erst nach vielen Jahren.

Wir vergessen bei unseren vielen Aktivitäten den Blick in unser Inneres. Mir sind nicht wenige Menschen bekannt, die laut ihren Aussagen an vielen Orten auf der Erde waren um sich alternativ behandeln zu lassen, sich gesund ernähren und ihr Leiden trotzdem behalten haben. Während ihrer hohen Aktivität kamen sie nie zur Ruhe, und das obwohl ihr Körper mit seinem Leiden laut und deutlich fordert stehenzubleiben und zuzuhören. Natürlich können und sollten wir uns Hilfe von außen holen, doch die Verantwortung bleibt immer bei uns. Wahre Gesundheit und Lebensfreude kann sich einstellen, wenn wir bereit sind alle Ebenen unseres Seins zu betrachten. Sich selbst zu sehen kann erschreckend sein. Die Innenschau braucht viel Übung und es ist es wert es zu tun. Meditationen sind dabei sehr hilfreich. Hast Du jemals die Schönheit einer Blume mit all ihren wundervollen Details und Farben wahrgenommen? Versuche es, es geht nur in der Ruhe und Stille. Wir denken gerne kompliziert und das Einfache, das vor unseren Füssen liegt, wird übersehen.

Vor 16 Jahren stellte ich meine Ernährung auf eine vegetarische Nahrung um und war innerhalb von 8 Wochen schmerzfrei, und das bei einer eher ungesunden vegetarische Ernährung. Das war ein schneller Erfolg. Wäre ich an dieser Stelle stehengeblieben, wären vermutlich neue Leiden an anderer Stelle aufgetreten oder die alten zurückgekommen. Wohin der Weg führt weiß ich nicht. Wichtig ist ihn verantwortlich zu gehen und Leid und Freude, die er bereithält anzunehmen und daraus Erkenntnisse und Handlungen erwachsen zu lassen.

Das Einfache versuchen
"Wie ist das Leben so einfach, wenn man einfach lebt" hat mein Wildkräuterlehrer Jürgen Recktenwald gerne gesagt. Das Leben ist einfach so, wie es ist. Kompliziert und anstrengend kann es durch das werden, was wir ihm auf Verstandesebene hinzufügen. Das Krankheiten nur durch eine Ernährungsumstellung und einer neuen Lebensweise verschwinden, ist für viele Menschen zu einfach und wird deshalb noch nicht einmal versucht. essen01Das Geniale liegt in der Einfachheit und kann uns wie ein Wunder vorkommen. Nur weil man keine tierische Nahrung mehr isst, verschwindet eine Krankheit nach wenigen Wochen die jahrzehntelang da war. Ist das zu einfach, um es zu versuchen?
Wenn man als "Normalesser" beginnt seine Nahrung umzustellen, ergeben sich eine Vielzahl von Fragen wie z.B. "ernähre ich mich vollwertig?", "was ist vollwertig überhaupt?", "bekomme ich mit einer vegetarisch/veganen Ernährung alle nötigen Nährstoffe?", "wie ist das mit den Entgiftungserscheinungen?", "habe ich Mangelerscheinungen?", "nehme ich zu stark ab?". Von außen werden die unterschiedlichsten Informationen und Tipps auf uns einströmen und das komplizierte Denken ist vorprogrammiert. Es liegt offensichtlich in unserer Natur.

Mit Muttermilch vergleichen
Als ich während meiner Ernährungsumstellung stark abnahm und mein Aussehen keine Gesundheit ausstrahlte, obwohl ich voller Energie und ohne Krankheit war, wurde ich deswegen häufig angesprochen. Mir wurden kritische Fragen gestellt wie z.B. "woher bekommst Du bei dieser Ernährung die vom Körper benötigten Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe?". Damals konnte ich nur antworten "von dem was ich esse", ohne es belegen zu können. Mein Essen bestand damals aus Wildkräutern, Obst, gewässerten Nüssen, Kultursalaten, Gemüse und viel gekochtem Getreide. Ich hatte nicht das Gefühl, damit Mangel zu erleiden. Als ich später begann, im Rahmen meiner NaturSchule Seminare und Wildkräuterwanderungen anzubieten und Vorträge hielt, wollte ich es genauer wissen. Ich überlegte, welches Nahrungsmittel könnte als Referenz dienen, um seine Inhaltsstoffe mit anderen Nahrungsmitteln zu vergleichen. Ich kam auf die Muttermilch, da diese uns in einer Lebensphase, in der so viel mit uns geschieht wie danach nie mehr, alles gibt was wir benötigen. Wir verdoppeln in kurzer Zeit unser Körpergewicht, das Gehirn wächst sehr schnell, alles was auf uns einströmt ist neu und wir lernen viel und schnell. Im besten Fall reicht uns, wenn die Mutter gesund ist, die Muttermilch bis zu Abstillen, das häufig leider häufig viel zu früh geschieht. Unten werden einige Inhaltstoffe der Muttermilch mit Nahrungsmitteln, die auf meinem Speiseplan stehen, verglichen.

muttermilch

Die Natur gibt alles
Die Inhaltsstoffwerte zeigen, dass eine vegane Ernährung mit Wildkräutern, Obst und Nüssen, die vor dem Verzehr ca. 12 Stunden im Wasser liegen sollten, uns in bester Weise versorgt. Die in der Tabelle angegebenen Inhaltsstoffe zeigen nur einen sehr kleine Zahl der in Lebensmitteln vorhandenen Stoffe. Nimmt man die sekundären Pflanzenstoffe (Stoffe die für die Pflanze nach heutigem Wissenstand nicht lebensnotwendig sind und für den Menschen einen hohen Stellenwert haben) hinzu, erweitert sich die Tabelle um viele tausend Zeilen und heute unbekannte Inhaltsstoffe werden zukünftig bestimmt noch entdeckt. Die Natur gibt uns unsere Nahrung in bester Weise. Wenn wir sie nicht zu stark erhitzen bzw. anderweitig weiterverarbeiten, bleiben die Nährstoffe so erhalten wie es für uns vorgesehen ist. Essen ist ganz einfach!
rotkleeEssen wir unsere Nahrung in ihrer ursprünglichen Form so wie die Natur sie hervorbringt, bleiben die Inhaltsstoffe und auch das, was wir mit der Nahrung auf energetische Ebene zu uns nehmen erhalten.
Vegetarisches, veganes oder rohes Essen ist nicht unmittelbar gleichzusetzen mit gesunder Ernährung. Der Markt ist überflutet mit vegetarischen, veganen und Rohkostprodukten, die meistens hochverarbeitet sind. Wir denken, und die Werbung funktioniert auch hier großartig, wir brauchen sogenannte Superfoods wie die unterschiedlichsten pulverisierten Nahrungsergänzungen oder Lebensmittel die von Übersee zu uns gebracht werden und vergessen das was vor unserer Haustür wächst. Ich fragte einmal, ob bei einem Rohkost-Treffen außer tropischem Obst und anderen exotischen Lebensmittel auch ein Apfel zu bekommen sei. Die Antwort war nein.

Man braucht kein "Superfood"
Sogenannte Superfoods bzw. verarbeitete oder hochkonzentrierte Nahrungsmittel können ggf. während bestimmten Lebensphasen hilfreich sein, um Krankheiten zu lindern oder zu heilen. Sie sind dann mit Spiritus vergleichbar, mit dem man ein nur noch schwach glimmendes Feuer, das Lebensfeuer unseres Körpers, wieder zum Brennen bringt. Die Pflanzenwelt hält natürlich ebenfalls das Nötige in natürlicher Form für uns bereit und bei der Heilung geht es um viel mehr als nur um die Ernährung. Für unsere tägliche Ernährung benötigen wir keine Pulver, Kapseln oder Tabletten, wenn die Nahrung aus natürlichen und weitgehend unveränderten Lebensmittel besteht. Die so wertvollen Wildkräuter, das heimische oder europäische Obst und Gemüse und Nüsse sind für uns da. Wir können natürlich Lebensmittel aus Übersee essen, vom Chiasamen bis zur Papaya, doch wir brauchen es nicht.

Mit Liebe zubereiten
Wenn ich Aussagen wie "Rohkost ist sehr zeitaufwändig und kompliziert" höre, dann frage ich mich, ist das auch beim Essen eines Apfels zusammen mit einigen Wildkräutern und gewässerten Nüssen so? Die Zubereitung von Rohkost braucht tatsächlich viel Zeit, sobald die Nahrung kompliziert in eine andere Form gebracht wird. Nichts spricht dagegen, viel Zeit für die Zubereitung aufzuwenden, wenn die Nahrung dabei nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen wird und man mit guten Gedanken und Freude dabei ist. Dann wird aus dem Zeitaufwand ein lebensbereicherndes Jetzt. Können wir überhaupt Zeit verlieren?

Während einer Wildkräuterwanderung sagte mir ein Arzt, "Bei ihrer Ernährungsform müssen sie sich gut mit der Ernährung auskennen, um keinen Mangel zu erleiden". Dass Menschen, die sich mit schlechter Kost ernähren in einem permanenten Mangelzustand leben, bleibt bei seiner Aussage unbeachtet. Der Mangelzustand drückt sich durch eine kranke Gesellschaft aus. Eine ungünstig ausgewählte vegane Rohkost kann dabei schlechter sein als eine Normalkost, die bewusst ausgewählt und mit Liebe zubereitet wird.

Die Hunzukuc
Manfred Bruer, der Initiator des Kongresses "Alt werden – gesund bleiben. Tage der Gesundheit" der erneut vom 18. – 21.05.2018 stattfinden wird, schreibt in seinem Buch "Alt werden – gesund bleiben" von den ältesten Menschen auf der Erde, wie z.B. von den Hunzukuc, häufig als Hunza bezeichnet.

Die Hunzas in Pakistan (in Auszügen)
Bergvolk nördlich von Kaschmir mit rd. 3000 Einwohnern. Hochplateau mit abgeschlossener Lage, rundum durch bis zu 7000 m hohe Berge begrenzt. Um das Tal zu verlassen, musste man im Tagesmarsch über schwierige Gebirgspfade wandern. Das führte dazu, dass der Kontakt zur Außenwelt weitgehend unterblieb. Man ernährte sich vom dem, was das Tal hergab.

Alle Über-Hundertjährigen waren Bauern, i.d.R. einen Kopf kleiner als Europäer und hatten nach europäischen Maßstäben Untergewicht.

Da der Baumbestand eingeschränkt war, verwendete man das wenige Holz zur Beheizung der Häuser im Winter. Daher wurde das Essen der Hunzas außerhalb der Heizperiode nicht erwärmt und roh verzehrt. …

Wie sah die Ernährung aus?
Überwiegend Obst: Aprikosen, Äpfel, Trauben, Pfirsiche, Birnen, Kirschen und vielfältige Beerenfrüchte. An Getreide wurde vornehmlich Gerste angebaut. Aus ihr stellte man in der Sonne getrocknetes Fladenbrot her.
Der Hunzabauer hat üblicherweise eine Ziege, die Milch für die Familie spendet. Auch etwas Ziegenmilch-Frischkäse wird produziert.
Im Winter wird die Kost knapp. Man ernährt sich überwiegend von Trockenobst. Auch Fastenperioden bis zur nächsten Obstreife werden beobachtet. …
Die Hunzabauern müssen z.T. bis zu 30 km weite Fußmärsche zu ihren Feldern zurücklegen. Trotzdem sieht man nur Gutgelaunte und Zufriedene bei der harten Landarbeit. …
In der Frühe mahnt der Gebetsrufer um 3:30 Uhr (!) zum Aufstehen und zur Andacht. …
Ärzte und Apotheken gibt es im Hunzaland nicht. Auch gibt es keine Konservenkost, keinen Zucker, kein Salz und keinen Tabak. …
Glaube und Meditation gehören zum täglichen Leben.

Bei den Hunzukuc ist es normal mit Lebensfreude und Gesundheit über 100 Jahre alt zu werden. Ich denke dass es nicht für uns vorgesehen ist im Alter zu leiden und wegen Krankheiten zu sterben. Gesundheit bis zum Tod des Körpers ist der Normalzustand eines jeden Lebewesen. Schmerz, Krankheit und psychische Leiden sind ein Signal, das uns unser Körper gibt um uns aufzufordern etwas zu verändern oder etwas loszulassen. Sie regen uns dazu an ein menschengerechtes Leben zu führen, uns mit der zu Natur verbinden und "Einfach" zu leben.

Ein einfaches Leben bedeutet nicht asketisch zu sein. Wir können viel Geld haben, uns an materiellen Dingen erfreuen und gesunde Gaumenfreuden genießen. Wichtig dabei ist zu erkennen, ob man von diesen Dingen abhängig ist. Ist das der Fall, dann ist kein wahres Lebensglück vorhanden, denn alles ist der Veränderung unterworfen und kann schnell aus dem Leben verschwinden. Wahres Glück ist nicht von Gegenständen abhängig.

Wir können uns mit roher Schokolade, rohem Kuchen und anderer Gourmetrohkost verwöhnen, bis wir vielleicht irgendwann bemerken, dass wir das nicht brauchen und es nicht förderlich für uns ist. Bestimmt sagt uns das der Körper schon lange bevor der Verstand die Einfachheit wahrhaben will und umsetzen kann.
Der Japaner George Ohsawa, der bedeutendste Vertreter der makrobiotischen Ernährungslehre (Lebensweise, die zu einem gesunden, langen Leben führen soll), soll beim Anblick von blühenden Löwenzahnwiesen im Schwarzwald voller Freude ausgerufen haben: "Wo diese herrliche Pflanze wächst, braucht man keinen Ginseng mehr!" Noch einmal möchte ich betonen, dass wir das was Mutter Erde hervorbringt mit Achtsamkeit nehmen dürfen. Das Beste liegt dabei ganz nahe vor unseren Füssen.

Hochwirksame Salben
Im Rahmen meiner NaturSchule stelle ich Kräutersalben her und vertreibe sie unter dem Namen DaysEye (Gänseblümchen - engl. Daisy – kommt von "days eye" das Tagesauge).

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Die Herstellung ist sehr einfach, wenn auch zeitaufwändig. Eine Massenproduktion kann und soll es nicht geben, möchte man alle wichtigen Details bei der Herstellung beachten. Die Salben bestehen aus wenigen Inhaltsstoffen. Hauptsächlich aus selbst hergestellten Kräuterölauszügen, die über viele Monate täglich gepflegt werden. Das Ergebnis sind hoch wirksame Salben, die mehr sind als die Summe von messbaren Inhaltsstoffen. Die liebevolle Beschäftigung mit den Pflanzen, das achtsame Sammeln, die tägliche monatelange Pflege der Kräuteröl-Mazerate und das Rühren der Salben mit guten Gedanken, dass alles fließt in sie und macht aus ihnen wundervolle heilende Helfer. Erlernen kannst Du das Salbenrühren während des NaturSchule-Kurses am 17.11.2017. Auch hier liegt das Geniale in der Einfachheit.

Einen Tag lang einfach leben
Versuche einmal an einem Tag in der Woche Deine Ernährung ganz einfach zu gestalten. Esse die Dir bekannten Wildkräuter (Löwenzahn, Brennnessel …), die Du selber gepflückt hast, zusammen mit Äpfeln oder anderem heimischen Obst und gewässerten Nüssen. Verändere die Nahrung nicht mit Geräten. Dein Essen bleibt so sehr ursprünglich und gibt Deinem Körper alles was er braucht. Der Verstand wird sich ggf. dagegen wehren, da er es anders gewöhnt ist und alles zu einfach ist. Da hilft mehrfaches tiefes Atmen, sich mit dem Atem verbinden und es ganz einfach trotzdem tun.

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